FAZIT

Herbst 2013   -   die Nordwest - Schnuppertour

Planung und was daraus wurde


Die Route

So richtig fest geplant war die Route eigentlich nicht. Die Maximalausdehnung des Loops war überlegt. Alles darüber hinaus wurde als nicht machbar ausgeschlossen. Und innerhalb wollten wir reagieren auf was auch immer.

Überschritten haben wir den Außenkreis nicht. Im Norden auf dem Weg von Ost nach West sind wir massiv davon abgewichen. Da schon vorab Zweifel bestanden, ob die lange Waldstrecke auf der WA-20 das Richtige für uns ist, war abzusehen, dass wir bei erster Gelegenheit die Flucht aus dem Wald ergreifen. So sind wir dem walddüsteren Regenwetter ab Spokane mit dem Südbogen durch das Palouse-, Walla Walla-  und das Yakima-Gebiet ausgewichen. Das was ok für uns.

Dass der Versuch, ganz am Ende die Cascades auf der US-2 wenigstens noch ein Stück zu erleben, Starkregen und Mudslidewarnungen zum Opfer fiel und uns auf die Autobahn trieb, war nicht mehr ok, aber nicht zu ändern. Nachdem wir einem Mudslide in Idaho großräumig auf einer Piste ausweichen mussten, stand uns der Sinn nicht nach einer Wiederholung dieser Erfahrung.

Zwangsstreichungen wegen Government Shutdown (1.-16.10.13) oder Regen

Die Schließung sämtlicher nationaler Parks und Anlagen war für unser Besichtigungsprogramm ausgesprochen ärgerlich. Aber es hätte uns auch deutlich schlimmer treffen können. Erwischt hat es uns auf der Olympic Halbinsel, wo wir die US-101 kaum verlassen konnten. Hurricane Ridge, Rialto Beach, Hoh Rain Forest und die schönen Campingplätze Kalaloch und South Beach fielen dem Shutdown zum Opfer. Glücklicherweise waren die Indianerreservate in La Push und am Lake Quinault zugänglich. Die Wanderpfade zum 2nd und 3rd Beach waren glücklicherweise nicht abgeriegelt.

Gerne hätten wir den Mount Rainier und den Mount St. Helens besucht. Auch ohne Government Shutdown wären diese Programmpunkte wahrscheinlich dem wieder sehr trüben und regnerischen Wetter zum Opfer gefallen.

An der Oregonküste spielte der Shutdown kaum noch eine Rolle, da die meisten Strände und Campgingplätze als State Parks nicht betroffen waren. Und bis wir zu den Redwoods kamen, war der Spuk ohnehin vorbei.

10200 km in 70 Tagen

Ziemlich genau 15% mehr als die netto geplanten 8900 km ergeben 143 km/Tag. Also sind wir tatsächlich mehr gefahren als die in der Planung sorgenvoll berechneten 127 km/Tag. Richtig brutale Fahrtage gab es nicht. Mit Abstand das Maximum waren einmal 360 km, die längsten Strecken sonst an 6 Tagen 295 bis 320 km.

Was bedeutet das? Eine so gleichmäßige Verteilung der Strecke auf die Tage, dass es nicht wundert, dass wir nur zehn Doppelübernachtungen und in Seattle einmal fünf Nächte auf einem Platz geblieben sind. Also fast jede Nacht auf einem anderen Platz. Und nur an fünf von 72 Reisetagen wurde das Auto nicht bewegt. Neunzehnmal sind wir allerdings unter 100 Tageskilometern geblieben.

Anders als sonst bei Mehrfachübernachtungen mit meist null Tageskilometern boten sich auf dieser Reise praktisch keine reinen Wandertage an. Dafür viele kleine Trails und Erkundungsgänge, die wir auch nach kurzer Fahrt noch gut gehen konnten.

Womit wir nicht gerechnet hatten, obwohl man es vorher durchaus hätte wissen können: im Yellowstone haben wir an sechs Tagen 600 Fahrkilometer zurückgelegt! Und dabei sind wir noch nicht mal alle Strecken, die mit dem RV befahrbar sind, gefahren. 100 km am Tag! Schön, dass immerhin noch 35 km zu Fuß dazukamen.

Auch an der Oregonküste sind wir 600 km gefahren, hier verteilt auf zehn Tage. So merkwürdig es klingen mag. 60 Tageskilometer an der Oregonküste waren zu viel.

Hier ist es uns ein paar Mal passiert, dass wir gerne mehr Zeit gehabt hätten für einige der vielen schönen Strände und Felsküsten. Ganz sicher würden wir aus heutiger Sicht noch zwei oder drei Tage zusätzlich vorsehen. Voraussetzung: Wetter wie in unserer ersten Küstenwoche. Bei Nebel macht die Küste spätestens ab dem zweiten Tag keinen Spaß mehr, schöne Lichtspiele hin oder her! Bei Sonne ist es eine unbeschreiblich schöne Strecke, um sich treiben zu lassen. Immer ein kleines Stückchen weiter. Immer gibt es wieder anderes zu sehen. Achate, Seesterne, Felsformationen, bunte Wasserpflanzen. Aber dazu muss man halt ständig die kurzen Stichstraßen zum Wasser fahren. Und das kostet sehr viel mehr Zeit als das Abfahren einer Küstenstraße mit Blick von der Straße und ein paar Guckstops am Straßenrand.

Insgesamt war die Sorge unbegründet, es gar nicht durchzuhalten, über 70 Tage jeden Tag deutlich über 100 km zu fahren. Es hat gut funktioniert und dabei auch Spaß gemacht. Vielleicht ist man etwas getrieben, wenn man so eine große Runde vor sich hat und findet einfach nicht die Ruhe, länger an einem Ort zu bleiben. Vielleicht ist das auch gut so, denn so entfällt auch das Bedauern, nicht mal eine Woche hier oder dort fünfe gerade sein gelassen zu haben. Wo wir das entlang der gefahrenen Strecke tun würden, wissen wir jetzt. Die Schnuppertour hat so ihren Anspruch voll erfüllt.

Reisezeit und Wetter

Wir hatten die Reise so geplant, dass wir Mitte September im Grand Teton und Yellowstone Nationalpark waren. Später dort anzukommen erschien uns zu riskant. Das führte dazu, dass wir schon am 21. August in San Francisco starteten. Tatsächlich hatten wir dann bis Grand Teton fast nur sehr schönes Wetter, im Yellowstone durchwachsen, aber weder Frost noch Schnee. So gesehen ging diese Rechnung auf. Auch ganz im Norden, im Glacier Nationalpark Sonne und Wärme und keine Wetterkapriolen.

 

Viel zu viel Regen an den letzten Septembertage in Washington. Deshalb der Aufenthalt in und um Seattle länger als vorgesehen und mit spontan dafür zugebuchtem PKW. Stadt bei vorhergesagt schlechtem Wetter fanden wir besser als Natur.

Durchwachsene Tage auf der Olympic Halbinsel und vor allem in der Columbia River Gorge. Wieder viel Regen.

Aber dann tatsächlich der von Insidern empfohlene Goldene Oktober an der Oregonküste. So sonnig und warm hatten wir es Mitte Oktober dort trotz der Ratschläge nicht mehr erwartet.

Nebel nur unmittelbar am Küstenstreifen trübte das Bild dann an mehreren Tagen gegen Ende in Kalifornien. Aber auch hier Ende Oktober immer wieder wunderbar warmes und teilweise auch richtig sonnig herrliches Herbstwetter.

Richtig kalt war es nirgends. Wir haben es uns angewöhnt, morgens die Temperatur zu notieren. Der niedrigste Wert war +3 °C, und das schon am 8. September am Lake Alturas in den Sawtooth-Bergen. Keine Winterstürme und nur Altschnee auf dem Mount Hood.

Also? Es gäbe für uns keinen Hinderungsgrund, die Monate September und vor allem auch Oktober noch einmal im Nordwesten zu verbringen.

WoMo Miete

Kosten WoMo und Meilen

Die Buchung des WoMos so weit in den November hinein verbilligt das Langzeitvorhaben ungemein. Ab Juli hätten wir für die gezahlten 3661 € nicht zehn sondern gerade mal drei Wochen mieten können. Die Preisunterschiede sind enorm. Dazu kamen dann noch 189 US$ Bereitstellungsgebühr, die Kits hatten wir ja nicht gebucht. Eingeschlossen in den Preis war die 1 Mio Haftpflicht sowie die Zusatzkasko zur Deckung des Selbstbehalts. Und 60 Meilen pro Tag, also insgesamt 4200 Meilen. Für zusätzlich gefahrene 1844 Meilen mussten wir noch 856 Dollar nachzahlen.

Es war bei Buchung klar, dass die eingeschlossenen 60 Meilen pro Tag nicht ausreichen. Nächste Buchungsstufe wären 100 Meilen pro Tag gewesen, was die Miete pro Tag um 12 Euro erhöht. Wir hätten so insgesamt 7000 Meilen für zusätzliche 840 Euro vorab buchen können. Die für uns günstigere Variante war eindeutig, für die wirklich gebrauchten 6000 Meilen im Nachhinein 856 Dollar zu zahlen.

Camping-Kits

Wir haben zum ersten Mal keine Campingkits gebucht. Die Kits hätten zweimal 75 US$ gekostet. Dieser Betrag reichte aus, um uns mit dem auszustatten, was wir haben wollten. Für den Einkauf haben wir rund einen halben Tag gebraucht, zwei Stunden am Morgen in San Francisco vor der Übernahme und zwei Stunden am Nachmittag in San Leandro.

Das Bettzeug haben wir bei Ross gekauft, Geschirr und Kleinteile bei Dollar Tree. Und da es dort nicht annähernd alles gab, mussten wir doch noch zu Walmart. Im Nachhinein würden wir uns keinesfalls mehr bei Ross und Dollar Tree verzetteln. Was es dort an Ausstattung gibt, gibt es bei Walmart auch. Und oft zum entsprechenden Preis in besserer Qualität.

Insgesamt haben die 150 $ überschlägig gereicht, aber wir haben natürlich auch all das nicht gekauft (große Töpfe, Schüsseln usw.), was sonst aus den Kits während der Reise im Koffer im Keller gelagert wird, weil wir es einfach nicht brauchen und in den Schränken den Platz für anderes nutzen. Von Vorteil ist, das aussuchen zu können, was besser gefällt. Aber ist das den höheren Zeitaufwand wert? Zu einer eindeutigen Beurteilung oder Entscheidung für die nächsten Reisen sind wir nicht gekommen. Braucht man ja auch nicht, wenn man meist Winterspecial oder Überführung bucht, wo die Kits sowieso dabei sind. Wir werden es jedesmal neu nach Reisedauer und Lust und Laune entscheiden.

Der Nordwesten bis Yellowstone als WoMo-Reiseziel

Landschaften

Wir lieben weite Landschaften, freien Blick auf die Berge oder in die Ebene. Davon bekamen wir reichlich geboten. Der Lassen NP, die Seen in Oregon, die Fahrt durch das östliche Oregon, das John Day Fossil NM. Idaho hat uns begeistert, vor allem die Sawtooth-Region.

Grand Teton, Yellowstone, Glacier, drei Standardziele, die unsere Erwartungen mehr als erfüllt haben. Vor allem der Yellowstone NP, der durch die Vielfalt an Naturerscheinungen fasziniert.

Und natürlich die Küste, Washington, Oregon, Kalifornien. Am schönsten fanden wir die felsen- und baumstammgeprägten Bereiche im Westen der Olympic Halbinsel und den Abschnitt der Oregonküste zwischen Cape Lookout und Florence. Im südlichen Oregon und in Kalifornien hat oft der Nebel den Blick auf die Küste versperrt.

Nicht so viel anfangen konnten wir mit dem Lava Beds National Monument und vom Craters of the Moon National Monument. Das mag daran liegen, dass wir Lava schon reichlich gesehen haben, auf Hawaii und auf Réunion.

Berge

Die Vulkane des Kaskadengebirges. Immer wieder ein besonderes Erlebnis, wie sich diese meist ziemlich freistehenden Berge aus der Ebene erheben. Am Beginn der Reise Lassen Peak, Mount Shasta, die Sisters und Mount Jefferson. Auf dem Rückweg Mount Adams und Mount Hood.

Es fehlten Mount Baker, Mount Rainier und Mount Saint Helens. Nicht einmal haben sie sich gezeigt. Immer von Wolken verdeckt.

Und wie schön war es, von Great Falls durch die sanften Hügel auf die Gipfel im Glacier Nationalpark zuzufahren!

Städte

Wir haben nur wenige Städte etwas genauer angeschaut.

Ein Vormittag in Sacramento, hat uns gut gefallen.
Ein Nachmittag in Tacoma, sehr schön das Glasmuseum!
Ein Vormittag in Portland, wahrscheinlich zu wenig, wir waren nicht in der Stadtstimmung.
Seattle, die einzige Stadt, die wir ausgiebig besucht haben, und es hat sich gelohnt.

In mehreren kleinen Städten haben wir kurze Stops eingelegt. Wann immer es passt, fahren wir nicht einfach nur vorbei, wenigstens mittendurch:
Bend, Baker City, Idaho Falls, Great Falls, Spokane, Walla Walla, Sonoma und Napa.

Hübsch zum Herumspazieren fanden wir einige Küstenorte:
Newport, Florence, Eureka, Mendocino.

Licht

Schönes Licht hat uns auf der Reise oft begleitet. Das Wechselspiel von Sonne und Regen im John Day Fossil NM, ein herrlicher Sonnenuntergang im Grand Teton NP, der weite Himmel über Montana, die gelben Weizendünen der Palouse-Region. Selbst in der Regenwoche rund um Seattle immer wieder die faszinierenden Bilder, die ein paar Sonnenstrahlen auf der nassen Umgebung hervorzaubern.

Spannende Lichtspiele auch auf der Olympic-Halbinsel, dann in der Columbia River Gorge, und schließlich an den Küsten Oregons und Kaliforniens. Teils wunderschöne Sonnenuntergänge, teils faszinierende Lichteffekte im Nebel und zwischen den Redwoods. Oder irgendwo an Spinnweben oder Gräsern.

... und mit dem WoMo?

Die ganze Runde war perfekt geeignet für eine WoMo-Reise. Einschränkungen gab es für uns nur

  • am Lake Tahoe, wo wir zu spät versucht hatten, einen Campground zu buchen; kurz vor Reiseantritt waren alle Parks ausgebucht; und an einem Samstagmittag gab es noch nicht mal einen Parkplatz an den bekannteren Aussichtspunkten
  • im Yellowstone, wo wir auch zu spät versucht hatten, den Madison CG für drei Nächte hintereinander zu buchen - ging schon nicht mehr; auch dort gab es Stellen, wo man vereint mit vielen anderen WoMos auf Parkplatzsuche war; aber irgendwie hat's doch überall geklappt
  • Parken in Portland - ziemlich teuer
  • Seattle Innenstadt wäre wahrscheinlich ein größeres Problem geworden. Da wir dort viel vorhatten, gab's den zusätzlichen PKW
  • ja, Glass Beach und Bodega Bay; aber da hätten wir uns schon auch mehr Mühe geben können

Auf vielen Strecken unterwegs war es herrlich mit dem WoMo. Viele einsame Landschaften und ebenso einsame Campgrounds mit viel, viel Platz.

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